Josef Müller sen. fuhr die Hölzer mit Anhänger und Moped zur Zimmerei, um sie dort hobeln zu lassen. Eine eigene Maschine dafür gab es damals noch nicht. Zuhause in Kirchbrunn wurden die Hölzer weiterverarbeitet, zu Fenstern oder Möbeln, und anschließend ausgeliefert.
Diese Geschichte erzählt viel über die Anfänge des Einrichtungshauses Müller. Bevor aus dem Betrieb ein Möbelhaus mit Werkstatt, Küchenstudio, Planungsbüro und Ausstellung wurde, stand am Anfang vor allem eines: das Holzhandwerk.
Vom Wohnhaus zum Möbelhaus
1959 gründeten Josef Müller sen. und Antonia Müller das Unternehmen in Ampfing. Der Standort ist bis heute derselbe: Mühldorfer Straße 65. In den ersten Jahren war das Wohnhaus gleichzeitig Werkstatt, Büro, Lager und Ausstellung. Geliefert wurde mit dem Anhänger, oft auch nach Feierabend. Gearbeitet wurde als Bau- und Möbelschreinerei an allem, was damals zum Schreinerhandwerk gehörte.
Mit der Zeit wurde daraus eine klare Spezialisierung. Möbel und Küchen rückten immer stärker in den Mittelpunkt. Aus der klassischen Schreinerei wurden Möbelbau und die „Müllerküchen“ zur Kernkompetenz des Betriebs.
Der Anfang an der Mühldorfer Straße 65
Der Weg dahin war Schritt für Schritt. Möbel und Küchengeräte konnten anfangs nicht direkt bei den Herstellern eingekauft werden. Das lief zunächst über Großhändler, bis sich der Betrieb so etabliert hatte, dass eigene Kundenkonten möglich wurden. Auch daran sieht man, wie sich das Unternehmen aufgebaut hat: nicht über schnelle Sprünge, sondern über Verlässlichkeit, Arbeit und Vertrauen.
1975 wurde das Möbelhaus gebaut, 1998 wurde es erweitert. Wer heute von Mühldorf nach Ampfing kommt, kennt den Standort an der Mühldorfer Straße 65: das Einrichtungshaus Müller direkt am Ortseingang.
Drei Generationen im Betrieb
Wichtige Stationen folgten über die Jahrzehnte. 1991 trat Josef Müller jun. in die Firma ein, 1995 übernahm er den Betrieb. 2016 kam Johannes Müller als dritte Generation dazu, mittlerweile Schreinermeister. 2023 trat auch Markus Müller in das Unternehmen ein.
Heute führt Josef Müller den Betrieb, unterstützt von Hannelore Müller und seinen drei Kindern. Rund acht bis neun Personen arbeiten im Unternehmen. Dazu gehören Werkstatt, Möbelhaus, Küchenstudio, Planungsbüro und Verwaltung.
Damit ist das Einrichtungshaus Müller heute ein Familienbetrieb in dritter Generation, aber keiner, der nur zurückschaut. Die Geschichte ist im Unternehmen spürbar, doch sie steht nicht still. Sie zeigt sich in Erfahrung, in gewachsenen Kundenbeziehungen und in der Art, wie geplant, beraten und gearbeitet wird.
Zwischen Bleistift und digitaler Planung
Heute entstehen bei Müller individuelle Möbel, Küchen und Wohnlösungen. Vieles kommt aus der eigenen Werkstatt, zugleich gehören auch ausgewählte Möbel und Küchengeräte von Herstellern zum Angebot. Entscheidend ist die Planung als Ganzes: Raum, Material, Nutzung, Gestaltung, Konstruktion und Montage.
Dabei hat sich die Arbeit stark verändert. Planung und Maschinen sind digitaler geworden. Die Arbeitsvorbereitung ist intensiver. Kundinnen und Kunden bringen durch das Internet mehr Eindrücke, Ideen und Vorstellungen mit. Dadurch sind Planungen komplexer geworden, die Detailtiefe ist größer.
Eine Müllerküche: geplant bis ins Detail.
Trotzdem beginnt beim Einrichtungshaus Müller nicht alles am Bildschirm. Gezeichnet wird auch heute noch von Hand. Johannes Müller beschreibt es so:
Der kreative Gedanke kommt oft direkter durch den Stift in der Hand als durch die Maus.
Das beschreibt ziemlich genau, wie der Betrieb arbeitet: mit moderner Technik, aber nicht beliebig. Digital, aber immer noch aus dem Handwerk heraus gedacht.
Was am Ende als Küche oder Möbelstück eingebaut wird, ist nur der sichtbare Teil. Vorher stehen Gespräche, Skizzen, Planungsstunden, Holzauswahl, Konstruktion, Verarbeitung und Abstimmung. Dazu kommt die genaue Montage vor Ort.
Schreinerarbeit bedeutet hier nicht nur, etwas schön aussehen zu lassen. Es geht darum, dass eine Lösung funktioniert, lange hält und zum Alltag der Menschen passt, die sie nutzen.
Wenn nach 47 Jahren die nächste ‚Müllerküche‘ kommt
Besonders sichtbar wird das bei den Stammkunden. Viele wurden inzwischen von drei Generationen Müller betreut. Es kommt vor, dass nach 47 Jahren die nächste Müllerküche eingebaut wird.
Das ist eine besondere Form von Kontinuität: Ein Möbel oder eine Küche bleibt über Jahrzehnte Teil eines Hauses, und wenn wieder geplant wird, führt der Weg erneut zum selben Betrieb.
Diese Weitergabe von Vertrauen beschreibt Johannes Müller als faszinierend und bereichernd. Nicht, weil es sich gut anhört, sondern weil es im Alltag des Betriebs tatsächlich vorkommt: Familien, die über Jahrzehnte wiederkommen. Küchen, die nach vielen Jahren erweitert oder erneuert werden. Möbel, die nicht anonym gekauft, sondern geplant, gebaut und weitergedacht werden.
Auch Ampfing spielt dabei eine Rolle. Seit 1959 sitzt das Unternehmen an derselben Adresse. Viele Kundinnen und Kunden kommen aus Ampfing und der näheren Umgebung. Reparaturen, Erweiterungen oder neue Planungen können direkt besprochen werden. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Handwerksbetrieben vor Ort gehört dazu: Gewerke, die sich kennen und aufeinander verlassen können.
Die Menschen hinter dem Einrichtungshaus Müller.
Handwerk, das weiterdenkt
Auch die Frage der Nachhaltigkeit ist bei Müller eng mit dem Handwerk verbunden. 2010 wurde eine Photovoltaikanlage auf dem Möbelhausdach installiert. 2024 wurde die Holzheizung erneuert. Auf Gas wird verzichtet, Holzabfälle aus der Werkstatt werden genutzt. Das passt zu einem Betrieb, der täglich mit Holz arbeitet und Material nicht als Wegwerfprodukt versteht.
Fortschritt, Weiterentwicklung und zeitgemäße Gestaltung waren für das Einrichtungshaus Müller nie nur Themen für einzelne Jahre. Sie gehören seit Beginn zur Geschichte des Betriebs. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit – dieser Gedanke zeigt sich in vielen Entscheidungen: in der Erweiterung des Möbelhauses, in der digitalen Planung, in moderner Maschinentechnik, in nachhaltigen Konzepten und auch in der Frage, wie ein Möbelhaus heute mehr sein kann als Ausstellung und Verkauf.
Für die nächsten Jahre möchte das Unternehmen seine Arbeit an individuellen, ganzheitlichen und nachhaltigen Konzepten weiter ausbauen.
Auch Kochkurse oder Workshops sind angedacht, um das Möbelhaus stärker als Ort für Austausch, Ideen und gemeinsames Erleben zu nutzen. Nicht als Bruch mit der eigenen Geschichte, sondern als Fortsetzung dessen, was den Betrieb seit den Anfängen prägt.
Johannes, Josef & Markus Müller
Geblieben ist der Kern: Holz, Handwerk, Planung, Familie und der Anspruch, Lösungen nicht einfach nur umzusetzen, sondern weiterzudenken.
Im Porträt: Einrichtungshaus Müller
Gegründet 1959
Familienbetrieb in dritter Generation
Mühldorfer Straße 65, Ampfing
Erschienen im Ampfinger Gemeindeschreier · Ausgabe 2/2026